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Der psychologische Test
Das psychologische Experiment

Das "Risky shift" Phänomen

Theoretischer Hintergrund

In einer Magisterarbeit verglich der Student J. A. F. Stoner (1965) das Entscheidungsverhalten von Gruppen und Einzelpersonen in Bezug auf riskante Situationen. Dies war der Beginn einer Welle von Untersuchungen, die unter Risky-shift oder Risikoschub- Phänomen in die sozialpsychologische Literatur eingingen. Die zentrale Fragestellung lautete: Sind Gruppen risikofreudiger als der Einzelne?

Methode

unabhängige Variable: Gruppenentscheidung vs Entscheidung von Einzelpersonen
abhängige Variable: Risikobereitschaft

Den Versuchspersonen wurde zunächst im Einzelversuch ein Fragebogen vorgelegt, bei dem sie sich in 12 sprachlich vorgegebenen, lebensnahen Situationen jeweils für eine von zwei Alternativen entscheiden sollten. Diese Situationen waren so geschildert, daß in jedem Fall einem bestimmten Erfolg ein bestimmtes Risiko gegenüberstand. Zwei Beispiele:

Jeder Teilnehmer wurde gebeten, die niedrigste Erfolgswahrscheinlichkeit (in Werten von 0-10) zu kennzeichnen, bei der er den riskanteren Weg wählen würden. Nachdem auf diese Weise für jeden der Beteiligten Meßgrößen für Risikobereitschaft erhoben worden waren, wurden mit jeder Sechsergruppe Gruppendiskussionen zum jeweils gleichen Thema veranstaltet. Die vorherige Beantwortung der 12 Situationen wurde hingestellt als "Gelegenheit, sich schon mal mit den Fragen vertraut zu machen". Nach der Beendigung der Gruppendiskussion wurde die Gruppe gebeten, die vorher vom Einzelnen getroffenen Entscheidungen als Gruppe zu wiederholen.

In der Kontrollgruppe gab es keine Diskussion, sondern Einzelbefragungen im Abstand von einer Woche. Alle Studenten wurden für die Teilnahme am Experiment bezahlt und es wurde ihnen eine Versuchsdauer von etwa zwei Stunden angekündigt.

Ergebnisse

Über Fragen und Gruppen aufaddiert, läßt sich insgesammt ein klares und statistisch sehr bedeutsames Anwachsen der Risikoneigung vom Einzelversuch zum Gruppenversuch nachweisen. Dies gilt für die 14 männlichen genauso wie für die 14 weiblichen Gruppen. Bei den Kontrollgruppen gab es im Einzelversuch etwa vergleichbare Werte, bei der Wiederholung keine statistisch signifikante Veränderung: ohne Gruppendiskussion keinen Risikoschub. Innerhalb kurzer Zeit beschäftigten sich rund 200 Folgeuntersuchungen mit diesem Phänomen. Eine Weiterentwicklung fand dieses Phänomen in den "Groupthink"-Untersuchungen von Irving L. Janis (1972). Er stellt gruppendynamische Prozesse in den Vordergrund seiner Betrachtungen von Gruppenentscheidungen.

So zahlreich wie die Neuauflagen des Experimentes sind, so hart ist auch die Kritik. Holzkamp (1965) gliedert sie hauptsächlich in drei Teile:

Risikobereitschaft bei Auktionen aus Angst vor Prestigeverlust

Es gibt Untersuchungen, die das Phänomen des Überbietens bei einer Auktion entweder der Risikobereitschaft oder der Freude am Gewinnen zuschreiben. Mauricio Delgado beobachtete nun Probanden mittels der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRI) bei einem Auktionsspiel und bei einer danach veranstalteten Lotterie. Bei beiden Spielen konnten die Probanden Geld gewinnen oder verlieren. Für die Auktion erhielten die Probanden ein gewisses Budget zur Verfügung. Gewannen sie, erhielten sie den Restbetrag - scheiterten sie, verloren sie das gesamte Geld. Die Wissenschaftler teilten sie die Teilnehmer in drei Gruppen ein: Eine sollte lediglich Gebote abgeben, eine erhielt bei erfolgreichem Gebot eine Prämie und die Teilnehmer der dritten Gruppe bekamen dieses zusätzliche Geld schon vorab, mussten es aber bei einer Niederlage zurückgeben. Beides läuft auf dasselbe Ergebnis hinaus, ist jedoch einmal mit Gewinn und einmal mit Verlust verbunden. Spieler der dritten Gruppe gaben durchweg die höchsten Gebote ab, vermutlich aus Angst vor der Niederlage. Die unterschwellige Furcht vor Ansehensverlust verleitet dieser Studie nach Menschen dazu, Konkurrenten bei Auktionen zu überbieten und aus Angst vor einem Prestigeverlust auch überhöhte Preise zu zahlen.

Literatur

Sader, Manfred & Keil, Wolfgang (1976). Psychologie der Gruppe. München: Juventa.„
Science 2008, Bd. 321, S. 1849.

Unter Verwendung von: http://www.uni-kassel.de/fb3/psych/vv/ss95/exp/risky.html (00-04-21)

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