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Der psychologische Test
Das psychologische Experiment

Experimentalsituationen zur Lernpsychologie

Zwei Experimentalsituationen sind typisch für den Beginn der experimentellen Lernpsychologie: der Versuchsapparat Pawlows und die Box Skinners.

Ivan Petrowitsch Pawlow gründete in Petersburg das "physiologische Labor für experimentelle Medizin", in dem er den größten Teil seiner berühmten Forschungsarbeiten durchführte. Er hatte in Experimenten gezeigt, daß z.B. Welpen über einen angeborenen Speichelreflex verfügen, der ausgelöst wird, sobald Futter in ihr Maul gerät. Eine Beobachtung, die jeder Hundebesitzer an seinem Tier feststellen kann. Pawlow nannte diese Speichelabsonderung eine psychische Sekretion, da er davon überzeugt war, es handle sich um einen vom Gehirn gesteuerten Prozeß. Er beschloß eine eigene Methode zu entwickeln, psychische Vorgänge von außen zu beobachten, ohne sich dabei auf innere seelische Zustände zu beziehen.

Am Beginn dieses Jahrhunderts führte Pawlow seine klassisch gewordenen Experimente durch: Ein Hund wurde in einem besonderen Apparat gestellt, in dem die Intensität des Speichelflusses als Reaktion auf bestimmte Reize gemessen werden kann. Dem Hund wurde ein unbedingter Reiz (UCS: Futter) präsentiert, woraufhin er den angeborenen Reflex (UCR: Speichelfluß) zeigte. Auf das Läuten einer Glocke (CS) zeigte der Hund keinerlei Reaktion, außer einer gewissen Neugier. Pawlow kombinierte die beiden Reize (UCS + CS), worauf der Hund mit Speichelfluß reagierte (UCR). Nach mehrmaligem Wiederholen dieser Reizpräsentation, reagiert der Hund schon auf das Glockenläuten mit Speichelfluß. Diese Reaktion nennt Pawlow bedingte Reaktion (CR). CR und UCR ähneln sich, sind aber nicht identisch: so produziert der Hund, beim Anblick des Futters immer noch mehr Speichel, als bei dem Ertönen der Glocke.

Der entscheidende Punkt in diesem Experiment ist, daß nach der Konditionierung ein vorher neutraler Reiz eine Reaktion hervorruft, die vorher nur durch einen unbedingten Reiz ausgelöst wurde. Wird dem Versuchstier jedoch längere Zeit der bedingte Reiz (CS) allein dargeboten, so verschwindet allmählich die bedingte Reaktion (CS); Pawlow nannte diesen Prozeß Löschung. Wiederholt man nach einiger Zeit das Experiment, so zeigt der Hund nach wesentlich weniger Versuchsdurchführungen wieder die bedingte Reaktion auf den bedingten Reiz. Dies beweist, daß die Konditionierung nicht gänzlich gelöscht wurde, sondern lediglich gehemmt worden war. Als Anerkennung für seine Forschungsarbeiten erhielt er 1904 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen.

Burrhus Frederic Skinner führte in den USA Tierversuche mit Tauben und Ratten durch. Auch dazu wurde eine künstliche Experimentalsituation entwickelt, die Skinner-Box:

Das Versuchstier kann sich durch Drücken eines Hebels (Wirkreaktion) Futter beschaffen. Die Belohnungsgabe (Futter, Wasser) erfolgt nur unter bestimmten Bedingungen, die das Versuchstier zu erlernen hat. Ein äußerer Kasten schirmt den eigentlichen Versuchskasten gegen Störgeräusche von außen ab. Oft nimmt eine Fernsehkamera das Innere über einen Spiegel auf, um das Verhalten des Versuchstieres beobachten oder aufzeichnen zu können. Mit dieser Apparatur wurde die operante Konditionierung untersucht, also jene Lernform, die durch Verstärkung bzw. Belohnung gesteuert wird.

Ebenfalls um klassische Experimente handelt es sich bei den Versuchen zum verbalen operanten Konditionieren. Dabei geht es um das Phänomen des Verstärkungslernen, bei dem Sprachverhalten durch minimale verbale Verstärkung modifiziert wird. Grundlegend ist dabei das Experiment zum Greenspoon-Effekt, das 1955 durchgeführt wurde, um die Hypothese zu überprüfen, ob verbales Verhalten unbewußt durch Verstärkung verändert werden kann.

Quellen:
http://www.pcz.uni-dortmund.de/projekte/multimediagestalten/dokument/kap2/skinner2.htm
http://www.pcz.uni-dortmund.de/projekte/multimediagestalten/dokument/kap2/klassi.htm
http://www.lrz-muenchen.de/~xristophoros/skinnerbox.jpg

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